Als Bruno Höppner im „Ruhrkampf“ Geldsäcke in seiner Lok schmuggelte

Vor 100 Jahren, exakt am 11. Januar 1923 marschierten Franzosen und Belgier ins Ruhrgebiet ein. Der passive Widerstand der Menschen gegen diese Besetzung ging als „Ruhrkampf“ in die Geschichte ein. Aber was hat dieses Ereignis, das neben der seinerzeit grassierenden Hyperinflation für die Weimarer Republik zu einer harten Belastungsprobe wurde, mit Soest zu tun? Die Antwort heißt: Bruno Höppner, der 1899 in Soest geboren wurde und um 1930 den Bierverlag Höppner – zunächst am Nöttentor, ab 1940 am Oelmüllerweg – gründete. Nach dem ersten Weltkrieg hatte er den Beruf des Lokomotivführers erlernt. Sein Schwiegersohn Peter Klemann, der mit Bruno Höppners mittlerweile verstorbenen Tochter Ursula über 55 Jahre verheiratet war, erinnerte sich dieser Tage zusammen mit seinem Sohn Martin an die wundersamen Taten des Bruno H. 

2013 herrschte im Land die Hyperinflation. Nach ausbleibenden Reparationszahlungen (gemäß des Versailler Vertrages) besetzten die Franzosen 1923 das Ruhrgebiet. Die Weimarer Republik rief die Bevölkerung zum Generalstreik auf, der „Ruhrkampf“ hatte begonnen. „Ein wenig bekanntes Problem war, dass die Menschen bezahlt werden mussten, weil sie sonst durch den Streik nichts zu beißen gehabt hätten“, sagt Peter Klemann. Sein Sohn Martin erinnert sich: „Mein Großvater kannte eine Eisenbahnstrecke, die in den Kohlenpott führte und nicht von den Franzosen kontrolliert wurde. Er wurde ausgewählt, um über diesen Weg regelmäßig riesige Geldsummen in das Ruhrgebiet zu schmuggeln.“ Dafür habe Bruno Höppner eine extrem vorgeheizte Lokomotive bekommen, die im Tender, der damals standardmäßig zu einem Drittel mit Kohle und zu zwei Dritteln mit Wasser befüllt wurde, anstelle des Wassers Geldsäcke mitführte.

„Als Tarnung bekam er ein Alias als Bergmann in Wanne“, erzählt Peter Klemann: „Als die Franzosen Wind von seiner Identität bekamen, marschierten ein paar Soldaten in das Bergarbeiterheim, in dem er dort wohnte. Sie fragten ihn in der Küche nach ‚Hoeppnère‘, woraufhin er zum Aufenthaltsraum zeigte. Die Soldaten rannten aus der Küche, er sprang aus dem Fenster. Zwei Bergleute führten ihn unter Tage bis nach Heessen. Die Zechen waren miteinander verbunden. Dort tauchte er nach 48 Stunden wieder auf. Seine Tarnung war aufgeflogen, und er war für diese Aufgabe nicht mehr zu gebrauchen. Als Belohnung bekam er aber ein Jahr bezahlten Urlaub auf Reichskosten, die er in München verbrachte.“ Im Jahr 1992 starb Bruno Höppner, der viele Jahre lang die Soester mit Bier und anderen Getränken versorgt hatte, in seiner Heimatstadt. 

Im Buch „Soest in den 1960er-Jahren – schön war die Zeit!“ gibt es übrigens eine rührende Geschichte von und über das Ehepaar Ursula und Peter Klemann. Das Buch gibt es im örtlichen Buchhandel oder online bei blundus-shop.net.

Publiziert am:

24.1.23